400 Euro Benefiz und eine neue Lesebrille

Der Kölner Autor und Kabarettist Thomas Lienenlüke war am 16. März auf Einladung von Rheinbach Liest und der Rheinbacher Togo-Hilfe zu Gast im voll besetzten Ladenlokal von Optik Firmenich und bot beste Unterhaltung.

Die Eltern von Thomas Lienenlüke waren nicht begeistert, als er seinerzeit dem Rat Rudi Carells folgte und sein geisteswissenschaftliches Studium schmiss. „Du kannst doch schreiben“, habe der Altmeister gemeint und dem ursprünglich als Kabelträger jobbenden Studenten 1991 Starthilfe gegeben. Aus dem Schreiben von ersten Sketchen und Gags als Redaktionsassistent sei bald mehr geworden. Die typisch ostwestfälische Reaktion von Vater Lienelüke, langes Schweigen und dann ein geknurrtes „Wiaste schon sehn, wasse davon hass!“ bewahrheitete sich auf unerwartete Weise.

Heute blickt Thomas Lienenlüke nämlich schon auf ein abwechslungsreiches Berufsleben zurück. Als Autor, Regisseur, Coach und Dramaturg arbeitete er für und mit den verschiedensten Künstlern zusammen. Die illustre Riege reicht von Anke Engelke über Bastian Pastewka, Ingolf Lück, Cordula Stratmann, Jürgen von der Lippe, Sebastian Sick bis zu Dieter Hallervorden. Am meisten Eindruck habe Vico von Bülow alias Loriot auf ihn gemacht. „Der hat mir auch meine jetzige Frau vorgestellt, aber ich finde ihn immer noch toll“, ulkte der Wahlkölner.

Dass der oft im Hintergrund agierende Lienenlüke auch selber eine gute Figur vor Publikum macht, bewies er bei seinem Besuch in Rheinbach. Der Bogen seines Programms reichte von Texten über seine ostwestfälische Heimat, eine Liebeserklärung an den kettenrauchenden Schuster im Kölner Veedel bis zu seinen Liedern, die vor Pointen nur so sprühen: über die Absonderlichkeiten einer Safarigruppe, die aus Sicht der Tiere betrachtet werden; die Eltern des vermeintlich hochbegabten Malte oder den Deutschlehrern, die man unweigerlich an ihren Jack-Wolfskin-Jacken erkenne. Dieses Lied hatte dem Abend auch seinen Namen gegeben.

Vor der Pause bekam Mitinitiator und Rheinbach-liest-Vize Gerd Engel als „featured artist“ Gelegenheit, sich über das Wesen des Rheinbachers auszulassen. „Jetzt kann ich mir mit nur minimaler Übertreibung in die Vita schreiben, ich sei mit Thomas Lienenlüke auf Tournee gewesen“, freute sich das Mitglied der Lesebühne Stuss mit Lustig. Als nächstes komme dann „nur noch der Grimme-Preis. Nicht schlecht für einen Grundschullehrer mit Ohrenhaaren, oder?“

In einem Gespräch mit Engel bot der Gast aus der Domstadt noch ein paar Einblicke in seine Arbeit: „Für jeden Künstler schreibe ich anders, denn jeder hat seinen eigenen Rhythmus und eine andere Art Pointen vor der Kamera oder auf der Bühne zu setzen.“ Die Chemie zwischen dem Rheinbacher Publikum und dem schlagfertigen und sympathischen Bühnenprofi stimmte. Auch die Gastgeber Michael Firmenich und seine Tochter Beatrice kamen aus dem Lachen kaum heraus und sahen über die Lesebrille aus einer bekannten Drogeriekette höflich hinweg.

Was der Rheinbacher Optiker seinem Gast über die Arbeit der Togo-Hilfe erzählen konnte, beeindruckte diesen zutiefst. So machte Lienenlüke dem Publikum, das zu dem Benefiz-Abend freien Eintritt gehabt hatte, ein verlockendes Angebot: „Jeder gibt ein bisschen mehr, als er eigentlich wollte, und im Gegenzug verzichte ich auf meine Gage.“ So kamen am Ende 400 Euro für die Togo-Hilfe-Rheinbach sowie die Arbeit von Rheinbach Liest zusammen. Und auch Lienenlüke musste nicht mit leeren Händen die Heimfahrt antreten: Die Firmenichs schenkten ihm spontan eine neue Lesebrille aus dem Sortiment des Hauses.

BücherStimmen 2019

Der musikalische Büchertalk mit vier interessanten Sofagästen und ihren Lieblingsbüchern dieses Mal im VPK. Am 02.05.2019 ist in der ehemaligen Pallotti-Aula noch viel Platz für Kultur in angenehmer Club-Atmosphäre. Es gibt - das ist neu - keinen Kartenverkauf, stattdessen steht am Einlass dezent ein schwarzer Zylinder. Alle Gäste wissen, was zu tun ist …

Regina Münch und Martin Groß vom WDR-Sprecherensemble lesen ausgewählte Stellen aus den Büchern des Abends. Dazu gibt es hochklassige Live-Musik. Die BücherStimmen sind Literatur, Talk und Musik zum Anfassen, zum Erleben, zum Genießen. Moderation: Christel Engeland und Gerd Engel

Vollblutmusiker Jens Kratzenberg ist den Rheinbachern kein Unbekannter. An der hiesigen Musikschule klassisch ausgebildet, hat sich der 32-jährige Pianist auch als Leiter verschiedener Bigbands, Songwriter, Arrangeur und genialer Improvisator im Bereich Jazz, Swing und Pop einen Namen gemacht.

 

 


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Magische Momente aus Musik und Literatur

Bei den zweiten „moments musicaux“ bezaubert der künstlerische Nachwuchs  der Musikschule Voreifel rund 90 Besucher in der bis zum letzten Platz gefüllten Galerie Alexandra B.

Karl Hempel und WDR-Sprecherin Regina Münch tragen auf dem nostalgischen Biedermeier-Sofa sitzend das Oskar-Wilde-Märchen „Die Nachtigall und der Rose“ vor. Ihre Stimmfarben ergänzen sich aufs trefflichste: Tief und sonor die von Hempel, hell und schwebend jene von Münch. Als das Märchen zu seinem traurigen Schluss kommt („Wirklich, die Liebe ist sehr unpraktisch …“), schweigt das Publikum ergriffen. Da heitert die Klarinette von Neele Seeberg-Elverfeldt die Stimmung mit jeder Note wieder auf. Begleitet von Paul Tintelnot am Klavier spielt die 13-Jährige einen Ausschnitt aus dem Petit Concert von Darius Milhaud. Zuvor hatten bereits Velia Elisa Pasquariello (Klarinette) und Jeanne Edimo Dicka (Klavier) die romantische Stimmung mit William Overlocks „Romance“ eingeleitet.

„Gerade die Mischung aus liebevoll ausgewählter, fein gelesener Literatur und gut gespielter Musik machen moments musicaux für mich so besonders“, meint Gastgeberin Alexandra Brandt, die zum zweiten Male ihre großzügig geschnittene Schmuck-Galerie zwischen Weiherstraße und Altstadtplatz für den „literarisch-musikalischen Salon“ zur Verfügung stellt. Im Geschäftslokal ziert seit ein paar Tagen ein historisches Klavier den Platz neben dem Sofa und soll „noch oft bei Kulturveranstaltungen gespielt werden“.

Eine amüsante Stelle aus Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ wird von Karl Hempel und Regina Münch mit dem Fagott von Lukas Restle (Duetto g-moll von Christoph Schaffrath) und dem Horn von Almut Nagel kombiniert und eingerahmt. Almut begleitet Lukas am Klavierund wird bei ihrem „En Irlande“ von Eugène Bozza, dann ihrerseits vom 17-jährigen Paul Tintelnot begleitet, der an diesem Nachmittag einen vielfachen Einsatz hat, weil er kurzfristig für Almuts Wettbewerbspartner Florian Plücker einspringen muss.

Nach der Pause warnt Karl Hempel das Publikum vor: „Alban Berg scherte sich nicht um musikalische Konventionen.“ Auch wenn die sogenannte Neue Musik des 1936 verstorbenen Schönberg-Schülers längst nicht mehr neu ist, so klingt sie auch 2019 für die Ohren vieler doch immer noch ungewohnt. Janik Nagel (Klarinette) und seinem Klavierpartner Paul Tintelnot gelingt eine atemberaubende, mit großem Beifall bedachte Interpretation des äußerst anspruchsvollen Opus 5 des Komponisten. Mit ihrer mit Höchstpunktzahl beim Landeswettbewerb “Jugend musiziert“ bewerteten Leistung waren sie übrigens bestes Duo ihrer Altersgruppe und qualifizierten sich für den Bundesentscheid im Juni. Perfekt zu diesem Beitrag passt der Textausschnitt aus Florian Illies „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“, der den entsetzten Reaktionen bei einem Konzert Neuer Musik in Wien ein literarisches Denkmal setzt. „Eine Konzertkarte gibt nur das Recht, das Konzert anzuhören, nicht aber, die Vorträge zu stören“, erklärte Arnold Schönberg später in Berlin einem Reporter der „Zeit“ seine Meinung zum sogenannten „Watschenkonzert“.

 

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