„Rheinbacher Bücherkiste“ und Deutschlehrer in Jack-Wolfskin-Jacken

Mehr als 120 Besucher erfreuten sich bei „aufgeschlagen! 2018“, dem öffentlichen Jahresempfang von Rheinbach liest e.V., an den gereichten Kostproben von Lyrik, Lied, Literatur, Lesebühne, Poetry und Projekten.

Leidenschaft für Bücher! Anke Fuchs, die Moderatorin des Abends, liebt „Die Freundschaft“ von Connie Palmen, „das einzige Buch, das ich mehrmals gelesen habe.“  Und Thomas Lienenlüke, Kabarett-Comedy-Autor aus Köln, sagt von Joseph Roths „Radetzky-Marsch“: „Dieses Buch ist mein Lebensbuch!“ Ebenso fachkundig und hingebungsvoll wusste der studierte Germanist für Peter Grafs „Ungemein eigensinnige Auswahl unbekannter Wortschönheiten aus dem Grimmschen Wörterbuch“ zu werben und las gleich ein paar Kostproben. Dass er selbst sich auch auf das Schreiben versteht, bewies er mit pointenreichen Texten und Liedern über seine Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal als Bühnenkünstler („Mütze? Nee, die hat Thorsten Sträter schon.“), einem denkwürdigen Karnevalsauftritt im Münsterland oder „Deutschlehrern in Jack-Wolfskin-Jacken“.

In der ersten Halbzeit des von Anke Fuchs charmant moderierten Abends zog Vorsitzende Monika Flieger stolz und dankbar eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. „Neue Akzente setzen und Bewährtes pflegen: Lyrikwettbewerb „Herzklopfen“, Poetry-Slam und Bücherüberraschung  2017. Im neuen Jahr freue sie sich persönlich besonders auf das Lesefestival „Seitenknistern“ (19.4.-22.4.) und die Lyriktage (30.4.-5.5.)“, so Flieger.

Lyrik stand dann auch gleich im Mittelpunkt. Günter Detro las zwei Gedichte, mit denen er in der Wachtberger Anthologie für komische Lyrik vertreten ist und warb für das Format TextProbe (26.2.), als gute Möglichkeit, sich mit Selbstgeschriebenem vor einem Publikum zu zeigen. Johannes Engel, Mitglied der Lesebühne „Stuss mit Lustig“ (5.5.), lallte sich in seiner kruden Ballade kongenial durch die Reimwörter auf Wein und machte so Lust auf das Format „Bachus meets Lyrik“ (3.5.).


WDR-Sprecherin Regina Münch warb für die BücherStimmen (22. 3.) im Glasmuseum mit ihrem Kollegen Martin Groß und las mit den Schulsiegern des Vorlesewettbewerbs der weiterführenden Schulen Lara Volkmer, Tom Warhonowicz und Victoria Schaay, die am 6. Februar beim Kreisentscheid in der Aula des Städtischen Gymnasiums (Stadttheater) antreten. Der 8-minütige Auszug aus Claudia Schreibers Buch „Ein Solo für Clara“ wies auf eine für den Mai geplante Veranstaltung in Kooperation mit der Musikschule Voreifel hin. Dabei sollen Klaviertalente der Musikschule in einer szenisch-musikalischen  Lesung ihr Können zeigen.

Das Thema Vorlesen zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. „Gutes Vorlesen vor Publikum ist eine eigene Kunst, deren Stellenwert für die Persönlichkeitsbildung und die Vermittlung von Literatur man nicht hoch genug einschätzen kann“, so Rheinbach-liest –Vize Gerd Engel. „Deswegen freue ich mich so, dass wir es gemeinsam mit der Buchhandlung Kayser, der Öffentlichen Bücherei St. Martin und den Schulen geschafft haben, nicht nur den Grundschulwettbewerb „Laut oder deutlich!“ auszurichten und zum zweiten Mal den Kreisentscheid vor hunderten Kindern ausrichten zu dürfen, sondern auch den Entscheid für den ganzen Regierungsbezirk Köln.“ Der geplante Termin für den Bezirksentscheid ist der 19. April im Rahmen des Lesefestivals „Seitenknistern“.

Der Kölner Lienenlüke zeigte sich erstaunt und begeistert, was in der Glasstadt auf die Beine gestellt wird. Dabei sind die Veranstaltungsformate ja nur ein Teil der Kulturarbeit. Im Frühjahr wird beispielsweise die Bücherei St. Martin bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt (Neugestaltung von Logo und Faltblatt). Auch wurde das Ziel ausgegeben, das Modellprojekt der „Rheinbacher Bücherkiste“ von acht Prototypen nun in die Wachstumsphase zu schieben. Die Vision: In möglichst jedem Ladenlokal, in jedem Gastronomiebetrieb, bei jedem Dienstleister – also überall dort, wo Kinder warten − gibt es eine spezielle Kiste oder ein Regal mit Büchern.

Eine gewaltige Kraftanstrengung! Deswegen freuten sich die Rheinbach-liest-Aktiven nicht nur über einen äußerst gelungenen Abend, sondern auch über sieben neue Mitglieder und spontan eingegangene Spenden von mehr als 300 Euro.

Das vollständige Halbjahresprogramm, kostenlos und professionell erstellt von Steffi Scherer (adfacts), kann hier heruntergeladen werden.


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